Donnerstag, 20. April 2017

Loslassen

Am Dienstag hatte ich die Auswertung meiner CT-Untersuchung. Das Ergebnis: keine Anzeichen auf neues Tumorwachstum!!! :)

Fortan findet die Nachsorge in größeren Abständen statt. Erst im Herbst geht das ganze Theater wieder los: Blut zapfen, Ultraschall, Echokardie, EKG, Spirometrie. Ich kenne die Werte, nach denen sie schauen, so genau wie den Inhalt meiner Schafswestentasche. Ich weiß, wann es kritisch ist. Ich bin Doktor meines Krebses.

Die letzte Untersuchung, die Computertomographie, hat mich enorm gestresst. Drei Tage nach der Auswertung bin ich noch nicht wieder Herrin meiner Kräfte. Wochen vor der Nachsorge bereite ich mich mental auf dieses Ereignis vor. Ist der Schrecken vorbei, fühle ich mich wie Schafskotze. Dreimal ausgekotzte Schafkotze, wenn ich es genau nehme. Energetisch ausgelaugt und psychisch angeknackst. Ich brauche mindestens eine Woche um wieder sowas wie meine Mitte zu finden. Das ist genau der Punkt, der mich zur Weißglut bringt. Ich habe zwei Jahre gebraucht um mich von dem Trauma der Krebshölle zu erholen. Ich habe die vielen verstreuten Teile meines Ichs, mühselig zusammenflicken müssen und manche Stellen gar ersetzen, neu anpassen oder abändern müssen. Es war eine Menge Lernstoff für meine persönliche Entwicklung. Ziemlich ungefiltert, geballt und knüppelhart in sehr kurzer Zeit. Ich habe mich verloren und neu gefunden. Darauf bin ich stolz wie Bolle. Jeder Tag, den ich jetzt so intensiv und wertschätzend lebe, ist das Ergebnis harter Arbeit vergangener Monate meiner Krebskrise.

Umso mehr bekomme ich den Koller, wenn ich an die unnötigen Strahlen bevorstehender CT- Untersuchungen und das Angepiekse meiner narbigen Venen denke. Längst vergrabene Emotionen werden durch dieses Prozedere wieder hoch gekocht.

Ich bin gesund und ich spüre, dass ich es auch bleibe. Wenn ich einen Arzt brauche, weiß ich an wen ich mich vertrauensvoll wenden darf. Warum hört diese Folter dann nicht auf. Halten Nutzen und Schaden der Krebsnachsorge sich die Waage?

Davon abgesehen, hab ich die Nase voll von Krebs. Ich kann es weder hören noch lesen. Nicht mal mein eigenes geschriebenes Wort ertrage ich noch, wenn dieses Kackwort darin vorkommt. Ich möchte dieses Kapitel dort lassen wo es hingehört, nämlich in die Vergangenheit.
ICH BIN GESUND. Jawohl!!! Habt ihr's gehört?? Und ich BLEIBE GESUND.

Ich habe mein Leben längst wieder... Arbeite nun 30 Wochenstunden... Habe endlich meine Traumstelle gefunden... Kann mich selbst verwirklichen... Ich weiß was ich will, was mir gut tut und was mir schadet...Weiß, dass ich schwache Momente habe, aber auch eines, nämlich mein Leben im Griff und es gelingt mir sogar, es zu genießen. Ich bin eine Frau mit Eiern (lest hier mehr), klug, kreativ, attraktiv und hab das Herz am rechten Fleck. Was hier ein wenig nach Partnervermittlung klingt, ist das Ergebnis meines Kampfes. Ich lege mein Hoffnungsschwert beiseite, denn ich habe genug Schlachten geschlagen. Ich schließe ab mit meiner Krankheit. ICH LASSE LOS UND LEBE ♥

An dieser Stelle endet mein Blog. Der Dreckskerl im Schafspelz existiert nicht mehr. Wenn ich einen Schnupfen habe oder Fieber, dann ist es ein Bazillus, aber nie mehr Krebs. Ich habe Mr. Hodgkin eine menge Zeit gewidmet. Jetzt ist das Leben dran...die Liebe und die Lust :)
Wer meine Texte trotzdem gerne weiter lesen möchte, darf sich auf einen neuen Blog VORfreuen. Selbstverständlich hinterlasse ich meinen Lesern einen Link auf "Krebs im Schafspelz", sobald mein neues "Baby" auf der Welt ist.

Ein großes DANKESCHÖN an jeden einzelnen Schafsblogleser ♥

Forever "Mäh in black" :)




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