Mittwoch, 14. Dezember 2016

Schlafschaf

Es geht wieder...määäh-ääähm es schläft wieder...das Schaf findet seinen Schlaf; ganz ohne Tabletten und Gedankenkreise. Nach zweieinhalb Jahren. Und was habe ich nicht alles probiert. Bügeln vor dem Einschlafen, Joggen in der Nacht, meine Lieblings-Sitcom schauen... Habe sämtliche Einschlaf-Tee-Sortimente bei DM durchprobiert und später auch bei Rossmann. Yoga, Qigong, Bier, Wein und Nudeln mit Tomatensoße. Habe Homöopathie-Zeugs aus der Apotheke getestet und Bücher gelesen...Ratgeber von denen ich nur noch ratloser wurde und mir sogar ein Nachtlicht besorgt. So ein Schlummerlicht für Kleinkinder. Ich dachte, was für Kinder gut ist, ist auch gut für mich-snoezelen bis zum Einduseln oder so. Jetzt decke ich mich zu und schlafe ein. Einfach so. Und frage mich, warum das nicht schon einfach eher hätte klappen können?! Sogar das mit dem Mittagsschlaf funzt. Ich bin ein wenig geschockt, dass das so einfach ist. Hinlegen und Knöppe zu.

Ich möchte allen Menschen mit Schlafstörungen da draußen Mut machen. Ich hatte meine Schlafmütze schon längst an den Haken gehängt. Weint so viele Tränen wie nötig, schreit, flucht und seid auch mal schwach. Das ist okay. Brüht euch euren Gute-Nacht-Tee auch weiterhin mit aller Konsequenz, auch wenn die juten Bergkräuter versagen. Aber mit jedem Teebeutel, den ihr ins Wasser taucht, habt ihr wenigstens noch eines, nämlich Hoffnung und ihr dürft hoffen, denn es wird besser. Irgendwann.

Euer Schlafschaf

Mein persönliches "Schlafschaf"als Mitbringsel vom Erfurter Weihnachtsmarkt.
 Eine Art Erinnerung für mich, dass ein gesunder Schlaf nicht selbstverständlich ist.

Sonntag, 27. November 2016

Glücksschäfchen

Wie fühlt es sich an gesund zu sein? Wie oft habe ich mir in den vergangenen Jahren diese Frage gestellt?! Jetzt gehe ich arbeiten, singe wieder in einem Chor, hab 'ne eigene Bude und 'n Haufen toller Freunde. Ich bin viel seltener beim Onkologen. Vor einem halben Jahr sah das noch anders aus. Den Psychologen brauche ich nur noch selten. Ich stehe morgens auf, ohne zuerst an den Krebs zu denken. Ich war schon 100 mal beim Friseur, weil ich schon so viele Monate keine Glatze mehr habe. Ich habe Geldsorgen und andere Probleme, die man so mit 24 Jahren hat und wie es sich für 'ne 24-Jährige gehört. Ich hatte sogar mal wieder 'nen ordentlichen Kater, weil ich mich nun endlich wieder traue mal zu tief ins Glas zu schauen. Ist das nicht der Hammer? Ich bin 24 und darf mich nun auch so fühlen.

Ich habe alles was ich brauche um glücklich zu sein und viel schöner noch-ich weiß jetzt auch wie das funktioniert mit dem Glücklichsein! Dafür hat sich das alles gelohnt- jede Träne, all die Schmerzen, die Angst und auch die Wut. Ohne Schwarz kein Weiß. Ohne Regen kein Sonnenschein. Das Leben ist so schön, wenn man dem Ganzen nur ne Chance gibt.

Mr.Hodgkin war ein Arsch, aber er war mein bester Lehrer. Ich kann nicht sagen, dass es leichter ist, aber ich bin geschickter darin mit den Schwierigkeiten umzugehen. Und wer kann das schon von sich sagen, mit 24 Jahren? :)

Samstag, 15. Oktober 2016

Hab ich eigentlich schon mal DANKE gesagt?

Ich gebe zu, die Geschichte von Mr. Hodgkin und mir hat soooooooo nen Bart. Ja, auch ich kann mich manchmal nicht mehr reden und denken hören. Das Problem ist, dass ich immer noch Krebsthemen habe, die ich mir einfach von der Seele reden MUSS. Mein Leben hat sich nachhaltig verändert. Jeder neue Meilenstein auf meinem Weg nach Mr.Hodgkin ist gleichzeitig eine neue Herausforderung, weil ich dann immer wieder mit der Veränderung konfrontiert werde und manchmal kann ich diese noch nicht akzeptieren. Das braucht dann Zeit und Gespräche, damit ich mich besser anpassen kann. 
Doch es gibt sie, diese Freunde, Verwandten und Bekannten, die mir unentwegt geduldig zuhören zu jeder Tages-und Nachtzeit. Die mich aufrichtig fragen wie es mir geht und mich akzeptieren ohne meine Masken. Die mit mir durch alle Berge und Täler wandern. Die mir die Daumen für jede medizinische Untersuchung drücken. Die mich zu sich einladen oder mich besuchen, um mich auf andere Gedanken zu bringen. Die mir Schaf-Fotos schicken und Schafzeugs schenken, weil sie wissen, dass ein Schäfchen mich zum Schmunzeln bringt. Die mal ein bis 10 Bier mit mir zu viel trinken. Die mich lieben, obwohl ich manchmal eher zum Hassen bin. Die mir ehrlich sagen, wenn ich sie nerve oder sie zu kurz kommen. Die einfach da sind auf ihre ganz persönliche Art und Weise.

All jenen möchte ich sagen, dass das, was sie für mich tun, nicht selbstverständlich für mich ist. Dass IHR nicht selbstverständlich für mich seid ♥ Ja, ich möchte sogar dem lieben Gott danken, der sich so viel anhören muss und der mich jeden Tag aufs Neue dazu ermuntert weiterzumachen und dankbar zu sein. Dankbar für EUCH und jedes Gänseblümchen am Wegesrand. Am Wegesrand meines Lebens. 


Euer schwarzes Schäfchen ♥

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Drei Betten am Meer

Vor einer Woche packte mich die Sehnsucht nach Meer, weshalb ich ganz spontan meine Reha-Freundin Moni und ihre Familie in Schleswig-Holstein besuchte.
Ich verspürte das Bedürfnis nach einem kurzzeitigen Tapetenwechsel und vor allen Dingen nach Seeluft & nordischer Landschaft.

Ich suchte mir eine gemütliche Ferienwohnung in Backstein-Optik. Irgendwas mit viel Natur drumrum. Die bekam ich auch, inklusive zum Ferienhaus. Vor dem Fenster stand ein Birnenbaum. Die Früchte hingen malerisch an den kargen Ästen und der Herbstnebel schmiegte sich um die Krone des Baumes. Vereinzelt schienen ein paar Sonnenstrahlen durch das mittlerweile lichte Blattwerk. Welch tollen Kontrast ergaben die grazilen Strukturen des Birnenbaumes zum rustikalen Backstein!

Mein Urlaubsquartier besaß drei Schlafzimmer. Das war eigentlich nicht geplant, aber ich las mir die Beschreibung des Objekts im Voraus nur flüchtig durch. Es gab zumindest ordentlich Rabatt, weil ich allein anreiste. Ein wirklich tolles Preis-Betten-Verhältnis. Ich überlegte wie ich den Wohnraum in drei Tagen wohl am effektivsten nutzen konnte, weshalb ich mir vornahm jede Nacht ein anderes Bett zu testen. Es lief drauf hinaus, dass ich letztendlich doch immer auf der Couch vor dem Fernseher einschlief mit Kopfkissen und Zudecke aus Schlafzimmer 1. Das Sofa war einfach saumäßig bequem. Bequemer als alle drei Betten zusammen. Dicke Polster in knalligem Ampelrot. Hatte zwar was von Pornocouch-Optik, aber eben bequem.

Ich erwähnte ja bereits, dass ich in den Norden fuhr um meine Freundin Moni zu besuchen. Nun, ich bat Moni vor meiner Anreise um einen Gefallen.  Ich wollte unbedingt ein Schaf  streicheln und fragte sie nach einem Bauern mit wolligen Vierbeinern. Moni und ihre Frau Svenni nahmen meinen Wunsch sehr ernst. Sie setzen alles daran um mir diesen zu erfüllen. Svenni fragte Bauer Nomme: "Kennst du einen Bauern in Salem, der Schafe besitzt? Unser Besuch möchte gern ein Schaf streicheln". Nomme, völlig von den Socken, antwortete mit einem roten Fragezeichen-WhatsApp-Emoji und musste das wohl erstmal sacken lassen. Doch Svenni gab nicht nach und hakte nochmal nach, wild entschlossen mit der Mission: "Wir brauchen ein Schaf für Jule". Mit Erfolg!! Nomme nannte ihr ein, zwei Kontakte von Schafsbauern, sowie den genauen Sitz deren Herde. Svenni verband ihre morgendliche Walking-Runde mit einem Zwischenstopp an der besagten Schafskoppel und machte die flauschigen Vierbeiner ausfindig. Ich bin noch immer völlig verzückt vom Engagement meiner Freundinnen.


Am Nachmittag konnte ich dann gleich eine ganze Herde Heidschnucken sehen und einige Exemplare streicheln. Oh (m)hääääähhppy day ♥




Samstag, 8. Oktober 2016

Die Sache mit dem Mittelweg

Es ist Dienstag. 7.05 Uhr. Gestern noch Tag der Deutschen Einheit. Ich steige in den Aufzug, drücke den Knopf. Station 4. Die wuchtigen Türen des Fahrstuhls schließen sich. Ich schaue in den Spiegel und sehe mein blasses Gesicht, das im Neonlicht noch bleicher wirkt als es ohnehin schon ist. Mein Herz rast schneller als der Aufzug über die Etagen des Krankenhauses. Mein Hals schnürt sich zusammen und auf meiner Brust sitzt ein Betonklotz, der meine Atmung blockiert. Tränen steigen mir in die Augen. Warum muss ich jetzt heulen? Muss doch jetzt nur meiner Arbeit nachgehen, sonst nichts. Doch Gefühle überwältigen mich. Gefühle, die hier nicht hingehören, die sich aber trotzdem in den Mittelpunkt rücken. "Station 4, Ebene 4. Waldkrankenhaus", spricht eine eher monotone emotionslose Roboterfrauenstimme, die mich verbal aus dem Aufzug prügelt, während sich die Stahltüren auseinander schieben. Ich schließe für einen kurzen Moment meine Augen und atme durch die Betonmauer auf meiner Brust hindurch. Dann bündle ich meine Kraft und setzte langsam einen Schritt vor den anderen. Auf dem Weg ins Schwesternzimmer lasse ich mit jedem zurückgelegtem Meter auch ein klein wenig von meiner Angst zurück und versuche immer mehr im Hier und Jetzt anzukommen. Mit OP-Plänen und Klemmbrett unter dem Arm verschwinde ich im Patientenzimmer und werde schon erwartungsvoll empfangen. Meine Patienten freuen sich auf mich. Darauf richte ich meinen Fokus, weshalb es mir recht schnell gelingt, mich wieder in meine Arbeit zu vertiefen.

Ein Stück Normalität und gleichzeitig Sicherheit für mich dieser Arbeitsalltag. Es ist ein Kampf, weil diese Klinikatmosphäre mich aufwühlt und ich am liebsten wegrennen will. Mein Herz schlägt ganz unkontrolliert, weshalb Betablocker im Moment in meiner Handtasche nicht fehlen dürfen. Habe doch die letzten Jahre genug in Arztpraxen und Krankenhäusern verbracht und begebe mich nun freiwillig jeden Tag dorthin. Gleichzeitig sehe ich darin eine Chance, weil ich mich meiner Angst jeden Tag aufs Neue stellen kann und die Erfahrung mache, dass ich jetzt in Sicherheit bin. Alle Schreckensbilder und Gefühle habe ich in einem Tresor verschlossen. Wahrscheinlich ganz unbewusst, denn ich kann mich nicht an den Code erinnern, mit dem ich diese gesichert habe. Auf jeden Fall muss ihn jemand geknackt haben, denn alles was ich fühle ist so real und bedrohlich wie damals. Doch die Frage ist nicht wie ich diesen Tresor wieder verschließe, sondern wie ich damit umgehe, dass alle in ihm verschlossenen Erinnerungen langsam ans Tageslicht treten. Manchmal möchte ich fliehen und mich verkriechen, aber ich gebe dem nicht nach. Ich habe beschlossen zu kämpfen und deshalb mache ich einfach weiter. Jeden Tag. Auch, wenn das mit Beton auf der Brust nicht so einfach ist. Doch ich sehe die kleinen Erfolge. Ich war nicht einmal krank seitdem ich meine neue Arbeit angetreten habe und immerhin habe ich schon über einen Monat durchgehalten.
Das Leben mit Krebs ist schwer, aber das Leben danach ist nicht wirklich leichter. Weil alle erwarten, dass man wieder normal wird und vor allen Dingen, weil ich das auch von mir selbst irgendwie erwarte. Es ist nicht immer leicht den Mittelweg zu nehmen. Ich meine nach vorn zu schauen und sich trotzdem die Zeit zu geben, um das Erlebte zu verarbeiten. Das Vergangene ist ein Teil von mir, aber es sollte nicht mein Leben bestimmen. Deshalb bleib ich morgens nicht im Bett liegen, sondern stehe auf, gehe auf Arbeit und nehme ab jetzt eben die Treppe anstelle des Aufzugs.

Sonntag, 25. September 2016

Visionen vom Dasein als flauschiges Schäflein

Mein Leben ist wirklich toll. Seit einem Monat wohne ich wieder in meiner neuen alten Heimat. Noch dazu bin ich frisch gebackene Besitzerin meiner ersten eigenen Wohnung, einer Zweiraum-Dachgeschosswohnung mit Einbauküche und Balkon. Fast schon ein bisschen spießig das alles. Aber im Alter steigen nun mal die Ansprüche. Ich hause in idyllischer Lage am hiesigen Stadtpark. Meine Wohnung ist überaus ruhig gelegen. Man könnte fast sagen, an diesem Fleckchen Erde kann Schaf alt und grau werden.

Wenn ihr denkt, ich hab nicht mehr zu bieten, dann wartet mal ab bis ich euch sage, dass ich seit September auch noch eine neue Stelle als Ergotherapeutin angetreten habe. Ich arbeite für 30 Stunden in einem Krankenhaus und versorge dort frisch operierte Patienten mit rheumatischen und orthopädischen Erkrankungen. Zusammenfassend könnte man sagen, ich habe mit 'ner Menge Rücken, fetten Schwellungen, triefenden Narben und 'n Haufen Verbandsmaterial zu tun. Wenn ich nicht im Krankenhaus mein Unwesen treibe, betreue ich im anliegenden Rehabilitationsbereich, Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Ich helfe ihnen mit kleinen Tricks im Alltag wieder eigenständig zurecht zu kommen. Das ist hauptsächlich anstrengend und man muss eine Menge Geduld aufbringen, aber ich mache es wirklich gern. Ich glaube ich bin auch ziemlich gut darin.

Man könnte fast sagen, ich habe bilderbuchmäßig mein Happyend bekommen. Jetzt nach beinahe drei Jahren gänzlicher Hodgkinfreiheit. Doch da man erst von "Happyend"sprechen kann, wenn tatsächlich etwas beendet ist, ist die Wortwahl "Happyend" dann doch nicht so trefflich. Das Ende ist der Tod. Zumindest in diesem Leben. Und wo man lebt, da gibt es Veränderung und jede neue Veränderung bringt neue Herausforderungen mit sich. Die eine mehr als die andere. Bei mir scheinbar immer grundsätzlich mehr.

Für mich ist es ein großer Schritt wieder am Arbeitsleben teilzuhaben. Lange Zeit glaubte ich nicht widerstandsfähig genug zu sein um in der rauen Arbeitswelt mitmischen zu können. Mein Selbstvertrauen war nur noch erbsengroß. Es ist durch die Therapien geschrumpft wie die Tumore in meinem Körper. Ich glaubte nicht mehr an mich. Wie sollte es da möglich sein noch an Karriere zu denken? Doch eine Reha, jede Menge Psychotherapie, Gespräche bei Kaffee und Bier mit Freunden, gaben mir meinen Glauben an mich selbst zurück. Besonders Erstes und Letzteres halfen mir wieder auf die Beine. Ich bin viele Umwege gegangen und habe viel ausprobiert, zuletzt das Abenteuer Auswanderung in den Westen. Ich hatte mehrere Findungskrisen, doch gefunden habe ich mich noch längst nicht. Ich mache da bloß keine Krise mehr draus und ich habe auch echt keen Bock mehr nach mir zu suchen. Im Versteckspielen war ich eigentlich auch noch nie wirklich der Bringer. Was nicht heißen soll, dass ich keine guten Verstecke fand, sondern vielmehr, dass ich  mich stets mehr bemühen musste als meine Räuberkumpels, die Versteckten zu finden. Ich bin also von Natur aus kein Talent im Finden.

Auf jeden Fall habe ich eine turbulente Zeit hinter mir und ich wünsche mir nichts sehnlicher als allmählich langsam einmal zur Ruhe zu kommen. Umzugskartons und Vorstellungsgespräche, Arztbesuche und Therapiesitzungen, all das macht ziemlich müde. Neue Herausforderungen sind im Moment für mich gestrichen. Ich will ankommen, wenigstens für eine kurze Zeit. Wenigstens eine Verschnaufpause einlegen und nicht immer stark sein müssen. Ich dachte, dies wäre jetzt die perfekte Gelegenheit dafür, nachdem ich mich in Arbeit und Wohnung eingelebt habe. Doch es kommt immer anders und eigentlich hätte ich es wissen sollen. Aber wie immer, war ich auch diesmal drauf nicht vorbereitet.

Es begann vor etwa zwei Wochen. Mein Wecker klingelte 5 Uhr. Ich lag im Bett und wollte aufstehen. Doch es funktionierte nicht. Da ging etwas seltsames in mir vor. In meinem Kopf liefen Bilder in einer Schnelligkeit auf und ab, sodass meine Gefühle keine Chance hatten dieser Geschwindigkeit nachzukommen. Ich lag versteinert auf meiner Matratze, krallte mich mit einer Hand am Laken fest und weinte. Ich fühlte mich nicht sicher, wollte mich am liebsten in meinem Federbett verstecken. Wie früher als Kind vor den Monstern unter meinem Bett. Ich dachte an Infusionsständer, Venenzugänge und das Brennen im Arm. Ich fühlte Ohnmacht und Todesangst. Plötzlich hörte ich wieder das Piepen der Maschinen. Der penetrante Geruch des Desinfektionsmittels lag in meiner Nase. Alles wirkte so real. Als wäre ich in die Vergangenheit gereist. Ich leide schon seit über zwei Jahren an schlimmen Albträumen und ich nehme jede Nacht ein Medikament, ohne das ich längst nicht mehr einschlafen kann, aber das hier ist neu. Und ich habe Angst. Dieses Szenario wiederholt sich beinahe täglich und es dringt auch tagsüber in kleinen Dosen zu mir durch. Da reicht eine Erinnerung an die Krankenhaushölle. Das Geräusch beim Pumpen am Desinfektionshalter, die rosa Flexüle am Arm meines Patienten, das Geklapper der Wagen auf den Stationen oder eine Kochsalzlösung am Infusionsständer. Ich kann die Bilder verdrängen, aber je doller ich dagegen ankämpfe, desto präsenter werden sie. Es baut sich eine gewaltige Anspannung in mir auf. Ich denke daran mit dem Rauchen anzufangen. Ich habe zeitweise das Bedürfnis von einem Lastwagen überrollt zu werden, denn das scheint mir angemessen, um das was in mir vorgeht, verhältnismäßig einzudämmen. Doch da Gewalt wie immer keine Lösung ist, sollte ich darüber nachdenken wie ich mit der ganzen Einhornkotze in meinem Gehirn am besten umgehe. Denn nicht mal Yoga hilft da gerade noch.

Manchmal frage ich  mich ob es tatsächlich nur sieben Brücken sind über die wir in unserem Leben gehen müssen. Das ist bestimmt nur ein Durchschnittswert, den ich mit Sicherheit schon längst überschritten habe. In meinem Badezimmer hängt eine Postkarte auf der steht: "Ich brauche keinen Sex. Das Leben fickt mich jeden Tag.". Das beschreibt wohl meinen derzeitigen Gemütszustand recht gut. In einer Sache bin ich mir jedoch sehr sicher. Wir bekommen nie mehr aufgebürdet als wir letztendlich schaffen können und wenn es erforderlich ist, dann bums ich das Leben eben mal kräftig zurück. Denn aufgeben is nicht. Mäh! Das ist mein Leben und ich lass mich nicht vergewaltigen. Vielleicht wird dieses Starksein auch irgendwann zur Gewohnheit. Herkules hat's schließlich auch gewuppt. Vielleicht wird es nicht leichter, aber ich werde stärker. So eine richtige Kampfsau mit 1 Meter 57.

Diese Woche habe ich meine Krebsnachsorge. Mittels Ultraschall und Röntgen wird geschaut ob die die Krebszellen noch brav Winterschlaf halten. Das sollten sie in jedem Fall. So viele Schlaftabletten wie ich konsumiere, dürften die für den Rest meines Lebens friedlich schlummern. Trotzdem darf jeder der will ganz unverfänglich gerne die Daumen drücken. Die Kampfsau will nämlich manchmal einfach nur ein flauschiges Schäflein sein.


Samstag, 17. September 2016

Blacksheep92, undercover:

Tarnung mittels Dienstkleidung. Ein schwarzes Schaf allein unter weißen Schafen zu lassen, birgt immer gewisse Risiken. Egal in welchem Kontext. (Ihr könnt mir das Reden verbieten, aber niemals das Schreiben.)

Sie zünden sich die 1245. Kippe an um durch den Tag zu kommen. Das geht am Besten auf der Bank hinter dem Klinikgebäude, im Halbschatten. Qualmen mit Diskretion. Ihre Arbeitsmoral verlischt mit jedem neuen Zug an ihrer Zigarette. Viel schlimmer ist, sie vergessen, dass es Menschen sind über die sie so abfällig reden, während sie noch eine zünden. „Die Fette hat heute wieder genervt“. Ich schließe die Augen,  hoffe, dass ich nur träume. Ein Albtraum hoffentlich und keine Realität. Asche krümelt auf mein hellblaues Shirt und auch der Zigarettenqualm ist ein Indiz dafür, dass ich nicht in einem Traum festhänge. Ihre holen Blicke und ihre großen Mäuler sind nur schwer zu ertragen. Ich fühle mich irgendwie vergewaltigt. Würde sie am liebsten anzeigen. Doch was sage ich der Polizei?

Vielleicht, dass ich glaube den falschen Beruf erlernt zu haben. Dass ich lieber in den Knast gehen würde als meine Zeit mit so genanntem Fachpersonal zu verschwenden. Ich bereue mein Abitur aus Faulheit umgangen zu haben. Ich hätte studieren können um das Arbeiten noch eine Weile hinauszuzögern. Ich würde ihr gestehen, dass ich in keine Schublade dieser Gesellschaft passe, dass ein einfacher Arbeitsvertrag nicht genug Klauseln enthält um sich gegen mich abzusichern, dass ich zu viele Talente habe um sie in nur einer einzigen Arbeit zu verwirklichen. Dass es mir nicht um Anerkennung geht, sondern um Selbstverwirklichung. Dass ich lieber glücklich bin als finanziell abgesichert.


Eine Hand berührt mich an meiner Schulter. „Wir müssen“. Ich klopfe die Aschekrümel von meinem Shirt und begebe mich zurück auf die Station. 

Freitag, 29. Juli 2016

Platz lassen für Wunder

WARUM ICH? Ich würde mit Sicherheit im Selbstmitleidssumpf versinken, würde ich nach dem Grund suchen, weshalb es ausgerechnet mich getroffen hat und nicht den Kettenraucher von nebenan. Sollte man dieser Frage grundsätzlich aus dem Weg gehen, weil sie ohnehin zu nichts führt? Rational gesehen wahrscheinlich schon. Doch ausgerechnet heute konfrontiere ich mich mit diesen fünf niederschmetternden Buchstaben: WARUM...

Ich parke mein grünes Auto auf dem kostenpflichtigen Parkplatz vor dem Medizinischen Versorgungszentrum in Delitzsch (MVZ) und löse wie immer keinen Parkschein (Das ist meine Rebellion gegen die viel zu hohen Gebühren). Die Tür am Eingang öffnet sich immer etwas verzögert, dafür automatisch beim Berühren des Türknaufs. Ich trete ein und verschaffe mir einen kurzen Überblick in der Eingangshalle. Vielleicht ist ein bekanntes Gesicht dabei? Links von mir befindet sich der Fahrstuhl, davor steht eine kleine Menschenschlange. Ich winde mich vorbei und gehe die Treppe hinauf. Der Bodenbelag ist immer etwas glatt, deshalb passe ich heute besonders auf, denn ich trage Sandalen ohne Profil, einen soliden Frauenschuh von der Marke "Tamaris" oder so...
Meist kommt mir jemand im humpelnden Gang oder mit einer Schiene irgendwo befestigt,entgegen, Patienten aus der Chirurgie, erste Etage. Ab und zu tappst auch ein Kind die Stufen hinab...immer ein Bein versetzt, Stufe für Stufe mit der Mama im Hintergrund, aus der Kinderarztpraxis kommend.

 Ich nehme jedes Detail im Treppenaufgang wahr, jedes Geräusch und jede Veränderung. Auch nach zwei Jahren Krebsfreiheit habe ich noch immer ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, wenn ich die Treppe zur Onkologie hinauf gehe.  Bei meinem ersten Arztbesuch im MVZ, gerade den ersten Chemozyklus hinter mir, war ich noch auf den Fahrstuhl angewiesen. Und selbst Fahrstuhl fahren war damals schon ein Akt für mich. Jetzt funktioniert es wieder. Jeder Schritt ist federleicht. Keine Atemnot, kein Schwindel, keiner vom Gegenverkehr, der mich mitleidig anglotzt, weil meine Kopfbedeckung verrät zu welcher medizinischen Abteilung ich gehöre.

Zweite Etage, Onkologie. Ich lehne mich gegen die schwere Eingangstür. Eine Schwester kommt mir entgegen und schenkt mir ein freundliches Lächeln. Es sind sehr vertraute Gesichter in die ich schaue, wenn ich zum großen Tresen an die Anmeldung gehe. Für mich ist der Gang längst nicht mehr schlimm- im Gegenteil, für mich ist es ein angenehmes Gefühl meine Lebensretter dort anzutreffen.

"Huhu",höre ich ein freundliches Stimmchen rufen. Ich drehe mich um und sehe meine Krankenschwester Ina, die ich sofort umarmen möchte, deren Arme jedoch gerade voll beladen sind. Sie dreht geschwind um in einen Nebenraum um die Sachen in ihrer Hand kurz mal abzustellen. Dann kommt sie zurück und nimmt sich Zeit für eine herzliche Umarmung. Gegenüber vom Anmeldebereich ist der Eingang zum Wartezimmer. Dort stehe ich zwischen Tür und Angel, während ich drei Worte mit meiner Ina wechsle. Ein freundliches "Hallo" folgt von allen Seiten. Ich muss dazu sagen, Wartebereiche in der Onkologie sind alle etwas anders im Vergleich zu den üblichen Zimmern, in denen man sonst lange Wartezeiten verbringt. Die Patienten sind in der Regel sehr offen. Hier und da kommt man miteinander ins Gespräch. Es wird nur selten gejammert. Die Meisten sind optimistisch gestimmt, erfreuen sich an den positiven Dingen des Alltags und bauen einander auf. Zudem sind sie, zumindest in den meisten Fällen, längst geübt im Aushalten langer Wartezeiten. Einige Gesichter sind mir noch vertraut, fällt mir auf, während ich meinen Blick kurz von Ina abwende.

Ich erkenne ein bekanntes Gesicht-eine Frau, die einmal neben mir in der Chemo-Suite saß. Es besteht jedes Mal gleich eine Verbindung zwischen uns, wenn wir uns sehen. Gemeinsam Cocktails trinken, schweißt eben doch zusammen, auch wenn es sich in diesem Fall um schwermetallhaltige Cocktails handelte. Auf die Frage wie es ihr geht, antwortet sie: "Nicht so gut. Sie haben wieder was gefunden. Eigentlich hatte ich nur Bauchschmerzen.". Für einen Moment schauen wir uns einfach bloß an und sagen uns damit mehr als Worte es jemals zum Ausdruck bringen könnten. Und genau in diesem Moment stelle ich mir die Frage- WARUM ICH? Allerdings frage ich mich nicht- Warum ich Krebs-du kein Krebs....sondern ich frage mich- Warum bin ich jetzt gesund? Warum hatte ich Glück und andere nicht? Wieso, weshalb, warum diese liebe Frau? Wieso bekommen manche immer wieder Krebs und andere nur einmal? Warum darf ich leben und andere streben an dem Scheiß? Und gleichzeitig erkenne ich, dass es einfach unglaublich schnell gehen kann. Eben mal hat einer Bauchschmerzen und da ist es- das Rezidiv.

Einmal Krebs haben lässt sich ja vielleicht gerade noch so verkraften, aber zwei mal oder gar mehrfach ist definitiv zu viel verlangt. Wenn das ein Teil von Gottes großem Plan sein soll, dann möchte ich hiermit offiziell Beschwerde einreichen beim großen Chef persönlich.
Es ist schlimm einen Tumor zu haben, aber mindestens genauso schlimm empfinde ich es mit anzusehen wie Mitstreiter erneut erkranken oder sich im Kampf gegen den Krebs geschlagen geben müssen.

So viele Gedanken überhäufen mich in den Räumen der Onkologie. An diesem Ort schaue ich zurück und gleichzeitig nach vorn. Ich fühle den Schmerz der Vergangenheit, aber auch die Freude auf die Zukunft und die Wunder zwischendurch. Bei all der Fragerei nach dem Sinn und der Gerechtigkeit, wird mein Herz auch jedes Mal mit großer Dankbarkeit durchflutet, weil ich mir immer wieder Zeit nehme um auf die vielen kleinen Wunder zu schauen, die ganz nebenbei passieren... Angefangen bei den Krankenschwestern, die mich anlächeln, sich sogar Zeit nehmen für eine Umarmung, die Patienten im Warteraum, die trotz ihrer quälenden Therapien anderen versuchen Mut zu machen, die enge Verbindung zwischen zwei Leidensgenossen am Infusionsständer und das erleichternde Gesicht eines Patienten, wenn er aus der Sprechstunde kommt und seine Befunde unauffällig waren. All das passiert dazwischen. Es findet kaum Beachtung, aber es sind die Dinge, die die ganze Situation erträglich werden lassen. Vielleicht kann Mister Gott nicht immer alles von uns fernhalten, aber er gibt uns immerhin die Chance die kleinen Wunder zu erleben. Ob mit oder ohne Krebs- dafür sollten wir immer noch ein bisschen Platz lassen in unserem Leben.






Montag, 25. Juli 2016

Zurück zur Herde


Heimat. "Man merkt erst was einem fehlt, wenn man's nicht mehr hat", so lautet mein Resümee nach meinem Wagnis in die fremde Ferne zu ziehen. Ich kehre nach nur zwei Monaten zurück in meine geliebte Heimatstadt...


Nun weiß ich, dass ich hier bereits alles hatte zum Glücklichsein. Für diese Erkenntnis bin ich überaus dankbar. 

Meine Heimatliebe wurde frisch aufpoliert. In der Liebe wirkt eine Auszeit eben manchmal Wunder. Jetzt fühlt sich alles ein wenig fremd und gleichermaßen vertraut an. So als hätte ich das Heimatgefühl einmal radikal zum Auffrischen in die Kochwäsche gegeben. 

In der Lokalpresse habe ich zum Thema "Heimat" ein kurzes Statement abgegeben. Lest selbst:




Mittwoch, 13. Juli 2016

Charity-Schaf

Sei kein Frosch! Sei lieber ein Schaf. Ein schwarzes Schaf! Oder noch besser- sei ein Held!!!

Dank Chanel Martin aka Marie gegen Krebs bin ich auf diese tolle Aktion aufmerksam geworden, die sich für junge Erwachsene mit Krebs engagiert :) Das Hauptaugenmerk dieser Stiftung liegt auf dem Thema "Spaß trotz Krebs".

"Wir können Helden sein!"
https://www.startnext.com/wirkoennenheldensein

Auf dieser Homepage könnt ihr eure Stimme abgeben, kleine Geschenke erwerben , Geld spenden und somit die Stiftung "Wir können Helden sein"e.V. unterstützen  ♥

Ich habe auch mitgemacht und bereits ein tolles Armband bestellt. Es lohnt sich in jedem Fall!!




Gruß und Kuss heute mal vom Charity-Schäfchen :-*


Donnerstag, 16. Juni 2016

Zurück im Leben

Hallo ihr lieben Schafsblogleser :)

Es ist ein Weilchen her, dass ich mich gemeldet habe. Seit dem letzten Post ist eine ganze Menge passiert. Da ein ausführlicher Bericht ausarten würde, gibt es hier die Kurzfassung:

Im Februar- Rehaklinik Katharinenhöhe:
Ich nahm an meiner langersehnten Reha teil. Vier Wochen lang Schwarzwald, Erfahrungsaustausch, Schnee und Sport. Zudem fand ich gemeinsam mit meinem Reha- Arzt eine Lösung für meine berufliche Situation. Und das Beste überhaupt- ich freundete mich mit einem gleichaltrigen Hodgkin-Krebsi an. Seitdem sind wir unzertrennlich :)

Meine Rehafreundin & ich :)


März/ April- Berufliche Orientierungsphase:
Arbeiten- aber wie, wo, was will das Schaf eigentlich?! Zunächst kündigte ich meine alte Stelle und und schmiedete einen Plan mit meiner spitzenmäßigen Beraterin vom Arbeitsamt. Wir suchten gemeinsam Arbeitsstellen heraus, die meinen Vorstellungen entsprachen. 12 Bewerbungen kursierten durch das ganze Land. Insgesamt hatte ich vier Vorstellungsgespräche. Dabei legte ich einige Kilometer zurück... Zudem war ich viel auf Achse, weil ich Lugi, meine Rehafreundin einige Male besuchte. Sie wohnt in der Nähe von Stuttgart.


Im April erreichte mich dann eine sehr traurige Nachricht. Philip, mein Rehakumpel, verstarb. Er kämpfte lange gegen den Krebs. Mit einigen Freunden der Katharinenhöhe besuchte ich Philips Trauerfeier. Der Verlust schmerzt immer noch. Nun bin ich noch dankbarer dafür, nach der Höllentherapie, gesund zurück ins Leben gehen zu dürfen.

 Philp, du lebst weiter in unseren Herzen ♥ R.I.P. ♥

Mai- Jobzusage und WG-Besichtigung:
Die Chemie stimmte auf Anhieb beim Vorstellungsgespräch im Therapiezentrum Bindl in Nürtingen. Ich bekam eine Jobzusage für eine Anstellung als Ergotherapeutin. Auch das mit der WG-Suche lief erfolgreich. Kennt ihr "Hui-Buh"-das Schlossgespenst? In meinem Zimmer wohnte zuvor der Schauspieler des Films, der damals den kleinen Jungen an der Seite von ""Hui-Buh" spielte. 

Juni- Umzug:
Meine Hasendame Holly und ich verabschiedeten uns vor ein paar Wochen von unserer Heimat. Es ging alles Knall auf Fall; zwei Tage vor Arbeitsbeginn fand der Umzug statt, wurden noch zügig Möbel aufgebaut und ein paar Sachen einsortiert. Eine Woche lang lebte ich provisorisch aus meinen Koffern und Kartons. Diverse Utensilien borgte ich mir zunächst von meinen Mitbewohnern. Ich hatte tatsächlich an alle Verteilerdosen, Regale und Dekoelemente gedacht...nur meine Zahnpasta hat es nicht bis ins Schwabenländle geschafft.  

Nun wohne ich bereits drei Wochen in Nürtingen und mein Zimmer habe ich mir inzwischen gemütlich eingerichtet. Auf Arbeit gewöhne ich mich allmählich ein und ich habe viel Freude an meinem Beruf. Von meinen Patienten lerne ich Schwäbisch und sie bekommen als Gegenleistung einen Einstiegskurs in Sächsisch. So treffen zwei Hardcore-Dialekte aufeinander. Und ich habe schon ein erstes sächsisch-schwäbisches Wort kreiert: "Eierküchle". 
Manchmal komme ich mir vor wie in einer RTL 2  Reality-Show bei all dem Alltagswahnsinn und den Problemen, die eigentlich keine sind.  Nur meine Show ist wirklich real und ich nenne sie: "Zurück im Leben". 








 



Sonntag, 24. Januar 2016

Lieber Körper


du hast es nicht immer leicht mit mir
und heute danke ich dir ganz einfach mal dafür,
dass du allen Widerständen trotzt
auch wenn es mich so oft ankotzt,
weil du nicht mehr so funktionierst wie ich es gern wollte
doch hätte, würde, könnte, sollte…
Ist doch egal, dass du nicht so perfekt bist,
dafür bist du nach wie vor hier
und dafür danke ich dir!

Ey, und das ist ein echtes Wunder,
denn durch deine Venen floss ne Menge Zunder
Krebszellen hatten dich im Visier,
deshalb eskalierte BEACOPP in dir.
ABVD setzte noch eins drauf,
doch du rappeltest dich trotzdem auf.
Von der Bestrahlung ganz zu schweigen,
nochmal 17 Tage leiden.

Doch du hast nie aufgehört daran zu glauben,
dass das alles einen Sinn hat, 
dass du so leiden musstest, denn du wusstest, 
wir beide werden es packen den Mistkerl Hodgkin zu besiegen,
Mister H. brachte dich zwar oft zum Liegen,
doch Körper, von sowas lässt DU dich niemals kleinkriegen.

Du bist mein Held, ein Bergeverschieber,
mit deiner Kraft zwingst du alle Krankheiten nieder.
Jede Narbe an dir ist ein Siegeszeichen
sie erinnern mich daran,
mit meinem Willen kann ich wirklich alles erreichen.

Spinnt das Herz, die Bronchien oder der Magen,
du würdest es nie wagen zu verzagen.
Wenn du fällst, dann stehst du auf,
du nimmst so viel in Kauf,
schluckst ne Menge Pillen, nur um meinetwillen.

Jeden Tag zu lieben, hat uns der Krebs gelehrt.
Wenn uns Schatten umgeben,
kämpfen wir uns ins Licht mit unserem Hoffnungsschwert
Denn aufgeben ist keine Option,
im Regen zu Tanzen dagegen schon.
Du hast echt ne ganze Menge für mich ertragen,
ich möchte dir nun endlich einmal danke sagen.